Donnerstag, 13. Juli 2017

Werbung, aber richtig!

Immer wieder tauchen gerade im Selfpublishing die Fragen auf: Wie macht man eigentlich richtige Werbung für ein Buch?

Zunächst einmal gilt es zu unterscheiden zwischen Sachbuch und Unterhaltungsliteratur. Ich möchte gezielt auf letztere eingehen.

Die Grundregeln

1. Werbung ist Emotion. 

Egal, für welche Art Geschichte du deine Leser begeistern möchtest: Du musst sie neugierig machen und aus dem Alltag reißen.
Das kann so aussehen, dass dein Wunschleser just an einem Schaufenster seines Buchladens vorbei geht und zufällig deinen Buchflyer entdeckt. Die Gestaltung des Flyers bringt Atmosphäre rüber, die die Atmosphäre deiner Geschichte wiedergibt.
Dein Leser kann aber auch einen besonderen Geruch oder andere Sinneseindrücke wahrnehmen, die ihn emotional ansprechen. Hauptsächlich werden Farben, Formen und Texte benutzt. Es macht einen Unterschied, ob ich meinen Wunschkunden mit einem quadratischen oder einem elliptischen Logo anspreche.

Du möchtest, dass dein Wunschleser sich wiedererkennt. Dass er mit deinen gewählten Farben Spannung, Freude, Begeisterung, Neugier verbindet. Komplementärfarben sorgen hier für die passende Untermalung.

2. Werbung ist Szene.

Gib deinem Leser einen Konflikt, den er in sehr kurzer Zeit erkennen kann.
Stelle Fragen. "Was würdest du tun, wenn...?" "Wie reagierst du, wenn...?"
Zeige auf, welcher Hauptkonflikt in deiner Geschichte wartet, sei dir der Prämisse bewusst, damit du nicht auf lange Erklärungen zurückgreifen musst.
Im amerikanischen Sprachgebrauch heißt es, "X führt zu Y". Diese Form brauchst du als Autor, denn deine Geschichte soll die Behauptung widerlegen.
Sprichst du den potenziellen Leser an, darfst du natürlich das Ende nicht vorweg nehmen. "Führt X zu Y?" wäre die passendere Form.
"Kann Protagonist sich aus der misslichen Lage befreien?"

Erzeuge das Bedürfnis, sich um diese Figur kümmern zu wollen. Lasse den Leser spüren, dass er mitfühlt, sich sorgt, der Figur nahe ist.

3. Werbung ist Problemlösung.

Schaffe ein künstliches Problem, das dein Leser haben könnte oder zeige ihm ein echtes Problem aus seinem Leben.
Schülerkonflikte mit Lehrern, Ängste, die überwunden werden müssen, Liebeskummer. Es gibt viele Möglichkeiten. Fokussiere dich auf das, das deinen Protagonisten beschäftigt und zeige Parallelen zu deinem Wunschleser auf. Der Leser kommt unweigerlich zu der Frage: "Wie hat Protagonist das Problem gelöst?"

4. Werbung ist ein Moment. 

Natürlich wäre es wünschenswert, wenn dein Wunschleser am Buchladen vorbei geht, deinen Eyecatcher wahrnimmt und sich über deine gestellten Fragen noch auf dem Heimweg Gedanken macht. Meistens tut er dies jedoch nicht. Du hast also einen kleinen Moment, um den Leser so sehr emotional zu treffen, dass er sofort den Laden betritt und sich dein Buch/Flyer näher anschaut.

5. Werbung ist Vertrauen.

Das Vertrauen entsteht, wenn du die obigen Punkte zur Zufriedenheit des Lesers erfüllst. Dadurch vermerkt der Leser die Erfahrung im Ordner "Positiv" und wird sich auch weitere Bücher von dir anschauen.
Vertrauen bedeutet aber auch, den Leser nicht von Anfang an abzuschrecken, sondern ihn dort abzuholen, wo er steht. Wie geht das?

6. Werbung ist Zielgruppe.

Du möchtest so viele Menschen wie nur möglich auf dich als Autor und natürlich auf deine Werke aufmerksam machen. Deshalb streust du überall Brotsamen, in der Hoffnung, dass wirklich jeder sie aufsammelt. Leider erreichst du damit nur selten jemanden.
Dir muss also bereits beim Lektorieren auffallen, wen deine Geschichte besonders anspricht. (Siehe Punkte 1-3) Versuche nicht, so viele Menschen wie möglich zu erreichen. Versuche nur, die richtigen Personen anzusprechen.
Dazu benötigst du tatsächlich einen Wunschleser. Einen, den du dir genau wie deine Romanfiguren vorstellst. Auf ihn schneidest du deine Werbemaßnahmen zu. Dabei sind Aspekte wie Geschlecht, Alter, Zugehörigkeit zu Volksgruppen, Interessen und Meinungen wichtig. Je klarer du diesen Wunschleser vor Augen hast, desto klarer kannst du also die Menschen ansprechen, die dein Buch wirklich interessiert und die dein Buch wirklich kaufen werden.

7. Werbung hat kein schlechtes Gewissen.

Dein Wunschleser ist Student, lebt von staatlicher Unterstützung und kann sich dein Buch gar nicht leisten? Überzeuge ihn, dass dein Buch so elementar bewegend und wichtig für ihn ist, dass er es trotzdem kauft! Natürlich musst du dieses Versprechen auch halten. Zum einen kann er es weiterverkaufen und hat dadurch nicht zwingend einen Nachteil. Zum anderen kann er - sofern du dein Versprechen einlöst - wirklich begeistert sein und den Kauf als lohnende Investition betrachten.

8. Werbung ist Überzeugung.

Alle diese genannten Punkte kannst du nur beherzigen, wenn du zufrieden mit deinem Werk bist und dahinter stehen kannst. Sei du dir sicher, dass du dieses Buch gern zur Hand nimmst, dass du selbst gern darin liest. Dann strahlst du diese Überzeugung auch aus. Spätestens dann, wenn du zu Lesungen und Interviews erscheinst. Deshalb muss deine Werbemaßnahme noch nicht zwingend einen ganz persönlichen Bezug zu dir haben. Das sollte sie auch nicht. Denn dann bist du umso verletzlicher und kannst mit Kritik schlechter umgehen.
Bedenke, dass jeder Mensch verschiedene Seiten an sich hat, verschiedene Rollen spielt, je nach Situation. Zu deinem Illustrator gehst du mit einer anderen Grundhaltung, als zu deinem Lebenspartner (selbst, wenn beide ein und dieselbe Person sind). Es ist also völlig in Ordnung, von dir die guten Seiten im Marketing zu zeigen. Zum Beispiel, dass du zu deinem Werk stehen kannst, auch wenn es in deinen Augen nicht perfekt sein mag.

9. Werbung ist Wiederholung.

Je öfter eine Behauptung wiederholt wird, desto wahrer wird sie. Wiederhole sie so lange, bis dein Wunschleser nicht mehr zweifelt.
Das glaubst du nicht? Dann lies einmal die Überschriften der aufgelisteten Punkte. Fällt dir etwas auf?
Wiederholung führt auch zu einem Gewöhnungseffekt. Dein Zielpublikum gewöhnt sich an deine Marke, dein Buch. Das schafft Vertrauen und Bindung, denn: Wiederholung bedeutet Verlässlichkeit.
Nicht zu verachten ist die Wiederholung deiner Werbebotschaft (Kaufe mein Buch, weil...), durch die dein Wunschleser beständig erinnert wird. Selbst wenn er dein Buch bereits gekauft hat, sieht er deine Werbung und ihm fällt ein: Das habe ich schon gelesen, ein tolles Buch!

10. Werbung ist Beziehung. 

Sowohl zwischen dir als Autor und deinem Wunschleser als auch innerhalb deiner Lesergruppe entstehen soziale Beziehungen. Du wirst zum Mentor, zum Unterhalter, zum Freund. Deine Leser kommen sich nahe und tauschen sich aus. Es wächst eine Community. In einer Beziehung darf man sich auch mal die Meinung sagen. Man darf kritisieren und muss das sogar. Betrachte dies als die Chance, dich weiter zu entwickeln. Aber zeige auch deutlich, dass ungerechtfertigte Rezensionen nicht in Ordnung sind und du immer Künstler bleiben wirst, nicht Dienstleister. "Dein Tanzbereich, mein Tanzbereich" bedeutet hier, dass dem Leser auch bewusst sein muss, dass hinter der Marke ein Mensch steckt, mit Launen, mit einem Privatleben, mit Leidenschaft, mit Ecken und Kanten.
Wenn die Beziehung zu beiden Seiten funktioniert, wächst die Zahl der Teilnehmer, also deiner Leser.

Nicht zuletzt entsteht diese Beziehung durch dein persönliches Engagement. Alles, was du von dir preis gibst, ist Teil der Kommunikation zwischen dir und deiner Community. Bleibe also besser nicht hinter einem Pseudonym in der Dunkelheit, sondern zeige dich und bleibe stets auf einem professionellen Niveau für die Leser greifbar.

11. Werbung ist blind.

Viele Autoren regen sich über Piraterie auf. Also Menschen, die vor allem Ebooks ohne Erlaubnis kostenlos ins Internet stellen, während die Autoren gerade versuchen, Käufer zu gewinnen. Die Autoren sehen hier ihre Existenz in Gefahr, denn sie haben Geld für die Herstellung des Ebooks investiert und möchten das auch wieder einfahren.
Werbung heißt aber auch: Dein Werk wird bekannt, egal auf welche Weise. Versuche nicht erst, gegen die Windmühlen zu kämpfen. In Einzelfällen lassen sich diese Kopien aus dem Internet entfernen, aber nie vollständig. Betrachte diese Kopien daher als Werbung für dich und dein Buch, egal ob positiv oder negativ.
Sogar sehr negative Rezensionen können dich im Extremfall zum Gegenstand von Gesprächen machen und zu Käufen animieren. Hin und wieder möchten Leser wissen, ob die Kritiken gerechtfertigt sind.
Deshalb sind Buchblogs wie Book Zeraph so interessant. Sie bringen dir nicht immer mehr Käufer. Aber je öfter dein Autorenname, dein Buchtitel und dazu passenderweise eine Bewertung im Internet auftaucht, desto besser stehst du bei Google da - und desto mehr Bekanntheit erlangst du.


Fazit.

Diese Grundregeln sollen dir helfen, deine passenden Werbemittel auszuwählen und passende Strategien aufzustellen. Es gibt nicht "den einen" richtigen Weg. Du machst Kunst und die ist einzigartig. Genauso einzigartig ist auch dein Marketing.
Wahrscheinlich fehlen dir in der Aufzählung noch Punkte. Der Ausbau deiner Autor-Persönlichkeit als Marke. Die Frage, welche Stelle im Roman als Leseprobe geeignet ist. Welche Art von Flyer du auslegen sollst. Diese Fragen hängen von diversen Faktoren ab. Wenn du dir nicht sicher bist, ist es klüger, sich an eine Werbefirma zu wenden, die dir eine Strategie aufstellen und deine Fragen genau zu deinem Buch beantworten kann.

Denn ohne die richtige Werbung funktioniert der Verkauf nicht.

Sonntag, 12. Februar 2017

Gute Geschichten: Die Essenz

Wir lesen an vielerlei Stellen von den Kriterien, die eine gute Geschichte erfüllen muss.
Das Setting soll Konflikte erahnen lassen und gleichzeitig eine für den Leser sichere, abwägbare Umgebung bilden. Die Figuren sollen vielschichtig sein, nicht vorhersehbar handeln und vor allem Konflikte lösen (bzw. auslösen), in die der Leser sich aufgrund seines eigenen Erfahrungsschatzes leicht hineindenken kann. Dabei möchte der Leser natürlich neue Erfahrungen sammeln und sich selbst als Held von einer neuen Seite erleben.
Nicht zuletzt soll der Spannungsbogen tragfähig sein, die Handlung darf nicht zu wirren Beschreibungen werden usw usf.

Was aber, wenn wir all diese Eckpunkte konstruiert haben und nun noch immer das Gefühl haben, dass die Geschichte nicht lebt?

Ein Merkmal könnte sein, auf welches sich Marcus Juhanus in seinem Autorenblog bezieht:
Ein wirklich guter Text kann mit wenig Worten einen Gedanken, ein Gefühl oder ein inneres Bild bei der Leserin auslösen, weil es genau die richtigen Worte sind, die die Fantasie befeuern.
Herausragende Autorinnen vertrauen auf ihre Leserinnen, dass sie mitdenken und mitfühlen und mit ihrer Fantasie ergänzen, was weggelassen wird. Die besten Texte stehen nicht auf dem Papier, sondern entstehen im Kopf der Leserinnen.
Das mag die halbe Wahrheit sein, kommt aber der Realität aus meiner Sicht noch nicht so richtig nahe.

Viel besser (und, wie von Marcus gewünscht, in wenigen ausdrucksvollen Worten) erklärt es Haruki Murakami im Interview mit der Zeit:
Ich empfange Nachrichten von der anderen Seite. [...]

Ich bin nicht religiös. Ich glaube nur an die Vorstellungskraft. Und daran, dass es nicht nur eine Realität gibt. Die wirkliche Welt und eine andere, irreale Welt bestehen zugleich, sie hängen ganz eng miteinander zusammen. Manchmal vermischen sie sich. Und wenn ich es will, wenn ich mich stark konzentriere, kann ich die Seiten wechseln. Ich kann kommen und gehen. Das passiert in meiner Literatur. Darum geht es. Meine Geschichten spielen mal auf der einen, mal auf der anderen Seite, und ich bemerke den Unterschied nicht einmal mehr.
Und dann fügt Murakami noch hinzu:
Es geht darum, was beim Schreiben passiert. Um die Dinge, die mir in meiner Vorstellungskraft begegnen und beim Erzählen der Geschichte helfen. [...]
Es ist wie im Animismus. Die Dinge kommen zu mir, ohne dass ich sie rufe. Ich muss mich nur sehr darauf konzentrieren.
Ich glaube daran, wie er, dass eine gute Geschichte schon real ist, bevor sie niedergeschrieben wird. Mit einigen Autorenkollegen konnte ich in den letzten Jahren die Erfahrung teilen, dass manche Figuren sich einem gerade zu aufdrängen. Man sieht sie mit dem inneren Auge, hört sie sprechen. Sie brauchen den Dialog und sagen oft: "Schreib das jetzt!"

Andere sieht man höchstens, wenn man sich konzentriert. Sie zeigen einem vielleicht, was sie gerade tun. Ihre Mimik bleibt manches Mal unsichtbar und auch ihre Gefühle springen nur selten auf uns Autoren über. Dann muss die Erkenntnis folgen, dass die Figur nicht zur Kommunikation bereit ist und auch im Roman nur eine aufgezwungene Rolle spielen wird, weil wir das wollen. Es ist sinnvoller, sie einmal zum Gespräch einzuladen und ihre Wünsche dann zu respektieren. Das heißt, etwas an eurer Idee stimmt noch nicht, ihr solltet euch selbst Zeit geben, das alles zu überdenken und in euch hinein zu horchen.
Das ist der Grund, warum manche Geschichte bereits seit Jahren unfertig auf meinem Schreibtisch liegt. Irgendwann kommt der richtige Moment und dann wird alles fließen.

Wir sind wie spirituelle Medien. Wir kommunizieren mit einer unsichtbaren Welt - oder mehreren - und helfen den Figuren, ihre Geschichte aus einem ganz neuen Blickwinkel zu erleben.
Manchmal möchten sie mit der Geschichte jedoch auch eine Botschaft übermitteln. Die ist eindrucksvoller, wenn sie nicht im Imperativ daher kommt.

Es ist meine Passion, nach Geschichten zu suchen, die von selbst leben. Lebendige Figuren und funktionierende Welten werden nicht erdacht oder konstruiert und das spürt man als Leser. Ich wünsche uns allen viel, viel mehr von diesen Geschichten.

Außerdem hoffe ich, dass auch die Botschaft von so erfolgreichen Autoren weithin wahrgenommen wird. Es gibt viele Schüler da draußen - mich eingeschlossen. Wir alle streben nach einer wirklich, wirklich gelungenen Geschichte. Aber manchmal ist Anstrengung und Zwang (auch bekannt unter dem Decknamen Disziplin) nicht der richtige Weg. Denn manchmal musst du langsam gehen, um schneller voran zu kommen.

Sonntag, 1. Januar 2017

Rezension - "Die Spezialeinheit" Staffel 1

Endlich ist sie da. Es tut mir Leid, dass es so verdammt lange gedauert hat, aber nun ist es so weit.

Fakten:

Autor: Sydney Stafford
Titel: Die Spezialeinheit - Staffel 1 (Episoden 1-8)
ISBN-13: 9-783738-613322
Genre: Gay Romance / Military
Seitenzahl: 319

Inhalt:

Christoph „Pünktchen“ Barrelmeier ist ein Polizist der Eliteeinheit GSG9. Zusammen mit seinem Team erlebt er gefährliche Einsätze, die ihn körperlich und seelisch an seine Grenzen bringen. Doch nicht nur im Beruf ist kein Tag wie der andere, sein Privatleben wird ebenso auf den Kopf gestellt. Es passieren Dinge, mit denen er im Traum nicht gerechnet hat, doch er hat ein starkes Team an seiner Seite.

Dieser Sammelband enthält die ersten acht Episoden der Serie „Die Spezialeinheit“:

1. Der erste Einsatz
2. Fehlschuss
3. Gefangen
4. Der Neue
5. Unerwartete Hilfe
6. Die Übergabe
7. Gefährliches Spiel
8. Competition

Meine Bewertung:

Der Einstieg gelingt Stafford sehr leicht, denn wir finden uns mit dem Protagonisten vom ersten Satz an in einer brenzligen Situation. Barrelmeier hat es gerade geschafft, die heiß ersehnte Stelle bei der GSG9 zu ergattern, da kommt er beinahe zum ersten Tag zu spät.

Als wäre das nicht genug, muss er sofort ran und einen gefährlichen Fall lösen.
Stafford erzählt flüssig und mitreißend. Die Figuren wirken im ersten Abschnitt noch unnahbar und kämpferisch, wodurch die fiktional dargestellte "Arbeit" der GSG9 sehr realistisch wirkt. Dies ändert sich mit der Zahl der gelesenen Seiten, denn schon bald offenbart sich das Innenleben der wichtigsten Figuren und ihre komplexen Beziehungen zu einander.

Und so fühlte auch ich mich zittrig, beinahe fiebrig, als ich mit Barrelmeier neue Erkenntnisse sammelte, um das Leben seiner Kollegen fürchtete und hoffte, dass er bloß nichts falsch machen möge.

Stafford hat alles richtig gemacht. Auch die Unterteilung der einzelnen Episoden, in welchen die Spannung von Mal zu Mal steigt, sitzt gekonnt an den richtigen Stellen. Mir blieb nichts anderes übrig, als das Buch zu verschlingen.

Und dann war da noch der Teamführer, die romantischen Verstrickungen und der Ex, der erst zum Todfeind wurde, um als Kollege wiederzukehren.
Auch dieser Teil der Story konnte mich durchweg überraschen. Obwohl Sex und Gefühle in verschiedenen Variationen vorkamen, fühlte ich mich zu keinem Zeitpunkt in einen Kitschfilm versetzt. Ganz im Gegenteil, so wurde jener Teil meiner Selbst angesprochen, der diverse Gelüste nur zu gut kennt.
Besonders gefiel mir die Rolle des Chefs Henning, der als strenger Mentor fungierte und dabei doch eigene Schwächen offen zu legen wusste.

Minuspunkte:
Man merkt hier und da, dass die Indie-Geschichte eben nicht aus einem großen Verlagshaus kommt. Der Schreibstil gibt wenig Ansatz für Atempausen und dennoch muss ich anmerken, dass er gewöhnungsbedürftig ist, wenn man die aalglatt durchlektorierten Romane großer Autorennamen gewöhnt ist. Vielleicht liegt es an der Erzählperspektive, vielleicht an der Syntax, sicher auf jeden Fall an dem deutlich überwiegend erzählendem Stil. An manchen Stellen wäre mehr Show möglich gewesen. Andererseits komme ich nicht umhin, die Arbeitsleistung zu loben, die Stafford hier - für einen Indie-Autor - vollbracht hat. Bücher schreiben sich nicht mit einem Fingerschnips und der Spezialeinheit merkt man deutlich an, dass sie viele Stunden gekostet hat, gleichermaßen viele erquickende Momente beschert hat.

Die Spannung spitzte sich etwa auf der Hälfte extrem zu. Christoph Barrelmeier erträgt Verletzungen, die ihn an den Rand des Todes bringen. Schlimmer geht es nicht. Ich hätte mir gewünscht, diesen Plotpunkt erst zum Ende zu sehen, denn ab diesem Zeitpunkt fühlte ich mich ein wenig abgehärtet, als könnte den Protagonisten nichts mehr so leicht aus den Socken werfen. Darunter hat die Spannung leider etwas gelitten.

Als letzten Punkt muss ich hinzufügen, dass die Episoden sich in einem überschaubaren Rahmen bewegen, was die Figuren anbelangt. Nach kurzer Zeit kannte ich jede wichtige Figur. Leider bedeutete das zum Ende, dass die Überraschung ausblieb, weil nur noch die bekannten Personen innerhalb der GSG9 Schaden zu nehmen drohten. Ich hätte mir hier etwas mehr Realismus gewünscht, in dem weiterhin Dritte als Opfer/Täter eingespielt worden wären. Nichtsdestotrotz sind die Episoden sowohl in sich als auch auf einander folgend gut durchdacht und mit einem deutlich spürbaren Spannungsbogen versehen.


Fazit:
Alles in allem jedoch hat mich Die Spezialeinheit mehr als positiv überrascht. Die meisten narrativen Haken ließen mich staunen, wo Stafford die Ideen hernimmt.
Obwohl ich mich nie als Gay Romance-Leser gesehen habe, fühlte ich mich mit der Spezialeinheit in diesem Genre durchaus wohl.

Das von mir gelesene Exemplar ist die erste Staffel der Serie "Die Spezialeinheit". Staffel 2 ist ebenfalls bereits als E-Book und Taschenbuch erhältlich.

Ich vergebe daher

4 von 5 Flammen.



Staffel 1 und 2 sind über Amazon erhältlich.

Dienstag, 27. Dezember 2016

Rezension zurückgezogen

Leider muss ich die sehr euphorische Ankündigung für die "Weltensprünge" der Autoren Sascha Schlüter und Karlheinz Bauer zurück ziehen.

Nach reiflicher Überlegung bin ich zu dem Schluss gekommen, dass beide Autoren keine schlechte Rezension verdienen, sondern eine Chance, an ihren Ideen und ihrem Handwerk zu arbeiten.
Demnach steht nur noch die Rezension der "Spezialeinheit" von Sydney Stafford für dieses Jahr im Raum, welche ich derzeit verfasse. 


Sonntag, 18. Dezember 2016

Ein Lebenszeichen und Annahmestopp

Liebe Autoren,

leider musste ich die versprochenen Rezensionen und auch die Arbeit am Projekt Book Zeraph für einige Monate auf Eis legen, da ein familiärer Schicksalsschlag mir einen Strich durch die Rechnung machte. Dieser ließ mir auch keine Gelegenheit, zwischenzeitlich mit den bisherigen Autoren in Kontakt zu treten. Ich musste einige Zeit um das Leben eines Familienmitglieds bangen, sodass es mir lange schwer fiel, mich überhaupt geschriebenen Geschichten und diesem Projekt zuzuwenden. Nun ist die private Situation wieder einigermaßen im Griff und ich möchte Book Zeraph endlich richtig durchstarten lassen.

Allerdings muss ich auch zugeben, dass mir das Lesen von Ebooks am PC deutlich schwerer fällt, als das Lesen von Printbüchern. Daher habe ich mich entschieden,  keine weiteren Ebooks mehr anzunehmen.
Es tut mir sehr Leid für alle Selfpublisher, die aus organisatorischen Gründen nur auf Ebook-Exemplare zurückgreifen können und nicht einfach so Printbücher an Rezensenten herausgeben können. Ich würde euch wirklich gern weiter unterstützen, werde jedoch meinem Wunsch auf Dauer nicht gerecht. Es ist daher nur fair, wenn ich so offen zu euch bin.

Die nächsten beiden Rezensionen, die noch im Dezember erscheinen werden, sind:
Sydney Stafford - "Die Spezialeinheit" (Print) und
Sascha Schlüter und Karlheinz Bauer - "Weltensprünge" (Anthologie, Ebook)

Auf der Liste für Anfang 2017 stehen:
Nicole Henser - "Seelenspur" (Ebook),
Rayon Lasair - "Sieben Schlüssel - Das Erbe der Rebellen" (Ebook),
Sarah Sander - "Totes Blut" (Print)

Deshalb möchte ich bis auf weiteres keine neuen Geschichten annehmen, auch Print nicht. Printbücher werde ich ab Mitte 2017 wieder suchen.