Zunächst einmal gilt es zu unterscheiden zwischen Sachbuch und Unterhaltungsliteratur. Ich möchte gezielt auf letztere eingehen.
Die Grundregeln
1. Werbung ist Emotion.
Egal, für welche Art Geschichte du deine Leser begeistern möchtest: Du musst sie neugierig machen und aus dem Alltag reißen.Das kann so aussehen, dass dein Wunschleser just an einem Schaufenster seines Buchladens vorbei geht und zufällig deinen Buchflyer entdeckt. Die Gestaltung des Flyers bringt Atmosphäre rüber, die die Atmosphäre deiner Geschichte wiedergibt.
Dein Leser kann aber auch einen besonderen Geruch oder andere Sinneseindrücke wahrnehmen, die ihn emotional ansprechen. Hauptsächlich werden Farben, Formen und Texte benutzt. Es macht einen Unterschied, ob ich meinen Wunschkunden mit einem quadratischen oder einem elliptischen Logo anspreche.
Du möchtest, dass dein Wunschleser sich wiedererkennt. Dass er mit deinen gewählten Farben Spannung, Freude, Begeisterung, Neugier verbindet. Komplementärfarben sorgen hier für die passende Untermalung.
2. Werbung ist Szene.
Gib deinem Leser einen Konflikt, den er in sehr kurzer Zeit erkennen kann.Stelle Fragen. "Was würdest du tun, wenn...?" "Wie reagierst du, wenn...?"
Zeige auf, welcher Hauptkonflikt in deiner Geschichte wartet, sei dir der Prämisse bewusst, damit du nicht auf lange Erklärungen zurückgreifen musst.
Im amerikanischen Sprachgebrauch heißt es, "X führt zu Y". Diese Form brauchst du als Autor, denn deine Geschichte soll die Behauptung widerlegen.
Sprichst du den potenziellen Leser an, darfst du natürlich das Ende nicht vorweg nehmen. "Führt X zu Y?" wäre die passendere Form.
"Kann Protagonist sich aus der misslichen Lage befreien?"
Erzeuge das Bedürfnis, sich um diese Figur kümmern zu wollen. Lasse den Leser spüren, dass er mitfühlt, sich sorgt, der Figur nahe ist.
3. Werbung ist Problemlösung.
Schaffe ein künstliches Problem, das dein Leser haben könnte oder zeige ihm ein echtes Problem aus seinem Leben.Schülerkonflikte mit Lehrern, Ängste, die überwunden werden müssen, Liebeskummer. Es gibt viele Möglichkeiten. Fokussiere dich auf das, das deinen Protagonisten beschäftigt und zeige Parallelen zu deinem Wunschleser auf. Der Leser kommt unweigerlich zu der Frage: "Wie hat Protagonist das Problem gelöst?"
4. Werbung ist ein Moment.
Natürlich wäre es wünschenswert, wenn dein Wunschleser am Buchladen vorbei geht, deinen Eyecatcher wahrnimmt und sich über deine gestellten Fragen noch auf dem Heimweg Gedanken macht. Meistens tut er dies jedoch nicht. Du hast also einen kleinen Moment, um den Leser so sehr emotional zu treffen, dass er sofort den Laden betritt und sich dein Buch/Flyer näher anschaut.5. Werbung ist Vertrauen.
Das Vertrauen entsteht, wenn du die obigen Punkte zur Zufriedenheit des Lesers erfüllst. Dadurch vermerkt der Leser die Erfahrung im Ordner "Positiv" und wird sich auch weitere Bücher von dir anschauen.Vertrauen bedeutet aber auch, den Leser nicht von Anfang an abzuschrecken, sondern ihn dort abzuholen, wo er steht. Wie geht das?
6. Werbung ist Zielgruppe.
Du möchtest so viele Menschen wie nur möglich auf dich als Autor und natürlich auf deine Werke aufmerksam machen. Deshalb streust du überall Brotsamen, in der Hoffnung, dass wirklich jeder sie aufsammelt. Leider erreichst du damit nur selten jemanden.Dir muss also bereits beim Lektorieren auffallen, wen deine Geschichte besonders anspricht. (Siehe Punkte 1-3) Versuche nicht, so viele Menschen wie möglich zu erreichen. Versuche nur, die richtigen Personen anzusprechen.
Dazu benötigst du tatsächlich einen Wunschleser. Einen, den du dir genau wie deine Romanfiguren vorstellst. Auf ihn schneidest du deine Werbemaßnahmen zu. Dabei sind Aspekte wie Geschlecht, Alter, Zugehörigkeit zu Volksgruppen, Interessen und Meinungen wichtig. Je klarer du diesen Wunschleser vor Augen hast, desto klarer kannst du also die Menschen ansprechen, die dein Buch wirklich interessiert und die dein Buch wirklich kaufen werden.
7. Werbung hat kein schlechtes Gewissen.
Dein Wunschleser ist Student, lebt von staatlicher Unterstützung und kann sich dein Buch gar nicht leisten? Überzeuge ihn, dass dein Buch so elementar bewegend und wichtig für ihn ist, dass er es trotzdem kauft! Natürlich musst du dieses Versprechen auch halten. Zum einen kann er es weiterverkaufen und hat dadurch nicht zwingend einen Nachteil. Zum anderen kann er - sofern du dein Versprechen einlöst - wirklich begeistert sein und den Kauf als lohnende Investition betrachten.8. Werbung ist Überzeugung.
Alle diese genannten Punkte kannst du nur beherzigen, wenn du zufrieden mit deinem Werk bist und dahinter stehen kannst. Sei du dir sicher, dass du dieses Buch gern zur Hand nimmst, dass du selbst gern darin liest. Dann strahlst du diese Überzeugung auch aus. Spätestens dann, wenn du zu Lesungen und Interviews erscheinst. Deshalb muss deine Werbemaßnahme noch nicht zwingend einen ganz persönlichen Bezug zu dir haben. Das sollte sie auch nicht. Denn dann bist du umso verletzlicher und kannst mit Kritik schlechter umgehen.Bedenke, dass jeder Mensch verschiedene Seiten an sich hat, verschiedene Rollen spielt, je nach Situation. Zu deinem Illustrator gehst du mit einer anderen Grundhaltung, als zu deinem Lebenspartner (selbst, wenn beide ein und dieselbe Person sind). Es ist also völlig in Ordnung, von dir die guten Seiten im Marketing zu zeigen. Zum Beispiel, dass du zu deinem Werk stehen kannst, auch wenn es in deinen Augen nicht perfekt sein mag.
9. Werbung ist Wiederholung.
Je öfter eine Behauptung wiederholt wird, desto wahrer wird sie. Wiederhole sie so lange, bis dein Wunschleser nicht mehr zweifelt.Das glaubst du nicht? Dann lies einmal die Überschriften der aufgelisteten Punkte. Fällt dir etwas auf?
Wiederholung führt auch zu einem Gewöhnungseffekt. Dein Zielpublikum gewöhnt sich an deine Marke, dein Buch. Das schafft Vertrauen und Bindung, denn: Wiederholung bedeutet Verlässlichkeit.
Nicht zu verachten ist die Wiederholung deiner Werbebotschaft (Kaufe mein Buch, weil...), durch die dein Wunschleser beständig erinnert wird. Selbst wenn er dein Buch bereits gekauft hat, sieht er deine Werbung und ihm fällt ein: Das habe ich schon gelesen, ein tolles Buch!
10. Werbung ist Beziehung.
Sowohl zwischen dir als Autor und deinem Wunschleser als auch innerhalb deiner Lesergruppe entstehen soziale Beziehungen. Du wirst zum Mentor, zum Unterhalter, zum Freund. Deine Leser kommen sich nahe und tauschen sich aus. Es wächst eine Community. In einer Beziehung darf man sich auch mal die Meinung sagen. Man darf kritisieren und muss das sogar. Betrachte dies als die Chance, dich weiter zu entwickeln. Aber zeige auch deutlich, dass ungerechtfertigte Rezensionen nicht in Ordnung sind und du immer Künstler bleiben wirst, nicht Dienstleister. "Dein Tanzbereich, mein Tanzbereich" bedeutet hier, dass dem Leser auch bewusst sein muss, dass hinter der Marke ein Mensch steckt, mit Launen, mit einem Privatleben, mit Leidenschaft, mit Ecken und Kanten.Wenn die Beziehung zu beiden Seiten funktioniert, wächst die Zahl der Teilnehmer, also deiner Leser.
Nicht zuletzt entsteht diese Beziehung durch dein persönliches Engagement. Alles, was du von dir preis gibst, ist Teil der Kommunikation zwischen dir und deiner Community. Bleibe also besser nicht hinter einem Pseudonym in der Dunkelheit, sondern zeige dich und bleibe stets auf einem professionellen Niveau für die Leser greifbar.
11. Werbung ist blind.
Viele Autoren regen sich über Piraterie auf. Also Menschen, die vor allem Ebooks ohne Erlaubnis kostenlos ins Internet stellen, während die Autoren gerade versuchen, Käufer zu gewinnen. Die Autoren sehen hier ihre Existenz in Gefahr, denn sie haben Geld für die Herstellung des Ebooks investiert und möchten das auch wieder einfahren.Werbung heißt aber auch: Dein Werk wird bekannt, egal auf welche Weise. Versuche nicht erst, gegen die Windmühlen zu kämpfen. In Einzelfällen lassen sich diese Kopien aus dem Internet entfernen, aber nie vollständig. Betrachte diese Kopien daher als Werbung für dich und dein Buch, egal ob positiv oder negativ.
Sogar sehr negative Rezensionen können dich im Extremfall zum Gegenstand von Gesprächen machen und zu Käufen animieren. Hin und wieder möchten Leser wissen, ob die Kritiken gerechtfertigt sind.
Deshalb sind Buchblogs wie Book Zeraph so interessant. Sie bringen dir nicht immer mehr Käufer. Aber je öfter dein Autorenname, dein Buchtitel und dazu passenderweise eine Bewertung im Internet auftaucht, desto besser stehst du bei Google da - und desto mehr Bekanntheit erlangst du.
Fazit.
Diese Grundregeln sollen dir helfen, deine passenden Werbemittel auszuwählen und passende Strategien aufzustellen. Es gibt nicht "den einen" richtigen Weg. Du machst Kunst und die ist einzigartig. Genauso einzigartig ist auch dein Marketing.Wahrscheinlich fehlen dir in der Aufzählung noch Punkte. Der Ausbau deiner Autor-Persönlichkeit als Marke. Die Frage, welche Stelle im Roman als Leseprobe geeignet ist. Welche Art von Flyer du auslegen sollst. Diese Fragen hängen von diversen Faktoren ab. Wenn du dir nicht sicher bist, ist es klüger, sich an eine Werbefirma zu wenden, die dir eine Strategie aufstellen und deine Fragen genau zu deinem Buch beantworten kann.
Denn ohne die richtige Werbung funktioniert der Verkauf nicht.